Regenbogenfahne raus und Vielfalt leben


Daniela Leonbacher vom Netzwerk Pride@ergo im Interview

People & stories, 09.09.2020

Ein offener Umgang mit sexueller Orientierung ohne Diskriminierung – dafür ist das neue Netzwerk Pride@ergo gegründet worden. Netzwerksprecherin Daniela Leonbacher will sich zusammen mit ihren Kolleg*innen für die LGBT+ Community (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender) einsetzen.

Pride@ERGO - Daniela Leonbacher

Am ersten September gab es die Kick-Off-Veranstaltung zum ERGO Pride Netzwerk. Was hat Sie dazu bewogen, das Netzwerk aufzubauen?

Leonbacher: Um ehrlich zu sein war eine Bekannte, die bei einer anderen Versicherung arbeitet, nicht ganz unschuldig. Sie hat mich nämlich gefragt, was ERGO eigentlich zum Christopher Street Day plant. Und da bin ich tatsächlich sehr zum Nachdenken gekommen und habe ich mich auf die Suche gemacht, was bei ERGO konkret zum Thema LGBT+ gemacht wird. Und da ich nichts gefunden hatte war mir klar, dass ich hier den Anfang machen muss. Das Diversity-Management war begeistert, dass ich mich engagieren wollte. Und dann sind wir recht schnell mit fünf, sechs Mitarbeiter*innen gestartet. Mittlerweile sind wir 79 Mitarbeiter*innen im Netzwerk.

Was sind denn die Ziele des ERGO Pride Netzwerks?

Leonbacher: Wir wollen natürlich, dass das Unternehmen als Ganzes moderner und offener angesehen wird. So möchten wir zeigen, dass wir bei ERGO Vielfalt leben und auch stolz darauf sind. Aber wir haben uns auch konkrete Ziele auf die Regenbogenfahne geschrieben. Beispielsweise, dass in der ERGO Werbung auch mal Paare gezeigt werden, die die LGBT+ Gemeinschaft repräsentieren. Außerdem wollen wir auch auf dem Christopher Street Day vertreten sein und Organisationen zu diesem Thema unterstützen.

Inwiefern hat die LGBT+ Community heute noch Nachteile in der Berufswelt?

Leonbacher: In einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und der Universität Bielefeld wurde dargelegt, dass 30 Prozent der Befragten aus der LGBT+ Community noch immer im Arbeitsleben diskriminiert werden. Unter Transmenschen sind es sogar mehr als 40 Prozent. Das zeigt mehr als deutlich, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.

Haben Sie solche Erfahrungen persönlich auch schon machen müssen?

Leonbacher: In dieser Form zum Glück nicht. Bei ERGO habe ich die Erfahrung gemacht, dass alle sehr offen sind und einen so akzeptieren, wie man ist. Aber wenn ich privat unterwegs bin, dann muss ich mir schon mal einen Spruch anhören oder kriege einen komischen Blick zugeworfen. Man lernt mit der Zeit damit umzugehen und versucht Menschen im Umfeld über Dinge aufzuklären und Vorurteile abzuschaffen.

Warum ist es so wichtig, die Rechte von LGBT+ aktiv zu vertreten?

Leonbacher: Es ist wahnsinnig wichtig, aktiv zu sein – und das übers ganze Jahr hinweg. Wir müssen Präsenz zeigen und Vorbilder sein. Das betrifft besonders auch die Führungskräfte, die Vorbilder für junge Mitarbeiter*innen und Azubis sind. Flagge zeigen und Projekte zu unterstützen ist ein Zeichen nach innen und außen.

Was sind die ersten Schritte, die das Netzwerk gehen möchte?

Leonbacher: Ein paar Dinge konnten wir bereits umsetzen. Beispielsweise haben wir schon unser eigenes Logo und deutschlandweit an allen Haupteingängen von ERGO Standorten den ERGO Pride Sticker angebracht, der zeigt, dass wir Vielfalt leben. Das ist ein tolles Signal vom Unternehmen, um direkt am Eingang zu zeigen, wofür ERGO steht. Fast überall sind unsere Standortsprecher*innenstellen besetzt. Auf unserer To-do-Liste ist aber zum Beispiel noch das richtige Gendern und somit eine einheitliche Sprache im Unternehmen, sowie die Repräsentation von LGBT+ im Außenauftritt wie Werbung, Prospekte und Social Media.

Wie waren denn bisher die allgemeinen Reaktionen auf die Gründung des Netzwerks? Gab es auch Vorurteile?

Leonbacher: Es gab eigentlich bisher nur positive Rückmeldungen. Alle die von dem Netzwerk erfahren, geben uns ausschließlich Rückhalt und Unterstützung. Auch von den anderen Netzwerken haben wir viel Zuspruch bekommen. Außerhalb von ERGO gibt es ebenfalls schon viele positive Reaktionen, besonders über die sozialen Netzwerke.

Dürfen sich auch heterosexuelle ERGO Mitarbeiter*innen am Netzwerk beteiligen?

Leonbacher: Sie dürfen nicht nur, sie sollen es auch unbedingt. Sogenannte „Straight Allies“ sind mindestens genauso wichtig, wie die Mitglieder*innen aus der LGBT+ Community selbst. Sie transportieren unsere Message nach außen und tragen so ebenfalls ihren Teil für eine bunte, moderne und offene ERGO bei.

Interview: Benjamin Esche

 

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