ERGO Risiko-Report 2019 gibt Einblick in Sorgen und Ängste der Deutschen


Weniger Risiko, mehr Überwachung

Media Information, 12.09.2019

Die Deutschen stehen Künstlicher Intelligenz kritisch gegenüber, sie sind nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten einen einzigen Euro zu zahlen und immer mehr können sich einen digitalen Überwachungsstaat vorstellen. Das sind einige der Erkenntnisse aus dem ERGO Risiko-Report 2019, dem zweiten Teil einer repräsentativen Studienreihe zur Risikokompetenz und Eigenverantwortung der Deutschen. Die Studie wurde unter wissenschaftlicher Leitung von Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, durchgeführt. Der aktuelle Bericht richtet den Fokus auf das Thema Digitalisierung.

ERGO Risiko-Report 2019

„Wir bei ERGO beschäftigen uns jeden Tag mit Risiken und managen sie für unsere Kunden“, kommentiert Mark Klein, Vorstandsvorsitzender ERGO Digital Ventures, die Studie. „Wir wollen unseren Beitrag leisten, um Bewusstsein für digitale Themen – positive wie negative – zu schaffen, etwa beim Stichwort Datenschutz: ganze 75 Prozent der Befragten sind nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten zu bezahlen“.

„Im Vergleich zum ERGO Risiko Report von 2018 können wir feststellen, dass sich die Risikokompetenz der Befragten nicht verbessert, sondern eher verschlechtert hat“, ergänzt Professor Gerd Gigerenzer, Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „Eine Fehleinschätzung hat sich jedoch geändert: Die Angst vor Terrorismus hat abgenommen. Klimaschutz und Naturkatastrophen sind dagegen stärker ins Bewusstsein gerückt“.

Digitalisierung: Menschen vertrauen auf „echte“ Intelligenz
Die Deutschen stehen Künstlicher Intelligenz in einigen Lebensbereichen deutlich ablehnend gegenüber: So vertrauen neun von zehn Personen lieber ihrem Arzt als einer Diagnose auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Auch als Pflegekraft wünschen sich 85 Prozent der Deutschen eher einen realen Menschen als einen Pflegeroboter. Beim Thema Geld würden mehr als zwei Drittel (69 Prozent) einem Finanzberater deutlich mehr vertrauen als einem virtuellen Assistenten.
Während Frauen, besonders im Bereich Finanzen (74 Prozent, Männer: 65 Prozent), eher auf Altbewährtes setzen, scheinen Männer der Künstlichen Intelligenz gegenüber tendenziell etwas aufgeschlossener zu sein. Auch die ganz jungen Menschen zwischen 18 und 30 Jahren sind offener.

Digitalisierung: Datenschutz ist den meisten Deutschen keinen Euro wert
Soziale Medien wie Facebook, WhatsApp oder Instagram sammeln Daten ihrer Nutzer und finanzieren durch den Verkauf der Daten das kostenlose Plattformangebot. Wenn die User für die Nutzung der Online-Angebote zahlen würden, könnten sie so ihre Privatsphäre besser schützen. Allerdings: Ganze 75 Prozent der Deutschen sind überhaupt nicht bereit, für den Schutz ihrer Daten zu zahlen. Wenn, dann sind es die jungen Befragten – die Generation Vielsurfer – zwischen 18 und 40 Jahren, die immerhin fünf Euro (26–27 Prozent) oder zehn Euro (8 Prozent) dafür ausgeben würden. „Eine gute Aufklärung an Schulen zum Thema Datenschutz fehlt in Deutschland häufig“, so Klein. „Entsprechend verwundert es nicht, dass die Zahlungsbereitschaft für den persönlichen Datenschutz gegenwärtig eher gering ist“.

Digitalisierung: Chinas digitales Überwachungssystem gewinnt in Deutschland an Akzeptanz
Ende vergangenen Jahres sorgte die von der Volksrepublik China angekündigte Einführung eines Sozialkreditsystems für Schlagzeilen. Laut Aktionsplan solle finanzielles, moralisches und politisches Wohlverhalten mit günstigen Krediten oder schnelleren Beförderungen „belohnt“ werden. Fehlverhalten wie Steuerhinterziehung, Vernachlässigung der Eltern oder Überqueren einer Ampel bei Rot könnte sanktioniert werden. Im Westen würde die Einführung eines Bonitätssystems, das dem chinesischen Vorhaben vergleichbar wäre, Proteste auslösen, mutmaßten zahlreiche deutsche Medien. Tatsächlich fände jedoch jeder fünfte (20 Prozent) Befragte ein solches Punktesystem gut, weitere 12 Prozent sind unentschlossen. Ablehnend äußern sich gut zwei Drittel (68 Prozent). Tendenziell sinkt die Zustimmung mit zunehmendem Alter: 18–30 Jahre: 23 Prozent, 31–40 Jahre: 22 Prozent, 51–60 und über 60 Jahre: je 18 Prozent.

Alter: Trotz Angst vor Altersarmut sparen Deutsche kaum fürs Alter
Obwohl 39 Prozent der Deutschen Angst vor Altersarmut haben, bildet gut jeder vierte Befragte (28 Prozent) keine monatlichen Rücklagen für die private Altersvorsorge. Am häufigsten trifft das auf die 18-30-Jährigen (33 Prozent) sowie auf die über 60-Jährigen (36 Prozent) zu. Auch Frauen bilden oft kein stabiles finanzielles Polster für die Altersvorsorge: 32 Prozent von ihnen sparen monatlich keinen einzigen Euro – bei Männern trifft das auf 24 Prozent zu. Menschen mit einem mittleren bis hohen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen haben offenbar mehr Spielraum, was das Sparen für den Lebensabend angeht: Sie legen monatlich deutlich mehr Geld für ihre Altersvorsorge beiseite als Geringverdiener.

Sicherheit: Angst vor Naturkatastrophen macht sich breit
Die Angst vor Terrorismus oder Krieg steht zwar nach wie vor auf Platz eins (55 Prozent) der von den Deutschen am meisten gefürchteten Sicherheitsrisiken, doch gegenüber 68 Prozent im Vorjahr ist die Bedeutung um etwa ein Fünftel gesunken.
Hoch ist dagegen die Sorge der Deutschen vor den Folgen des Klimawandels: Unwetter und Naturkatastrophen bereiten 40 Prozent der Befragten Kummer. Den 18-30-Jährigen (41 Prozent) und Frauen (44 Prozent) übrigens etwas häufiger als den anderen Befragten. Geringer geworden ist die Angst davor, Opfer von Gewaltkriminalität (2018: 46 Prozent, 2019: 40 Prozent) zu werden. Deutlich geringer als die Angst vor Verkehrsunfällen (38 Prozent) oder Wohnungseinbruch (30 Prozent) fällt hingegen die Angst vor Datendiebstahl (26 Prozent) aus. Wobei jüngere Menschen und Befragte mittleren Alters den Datenklau mit jeweils fast einem Drittel (31 Prozent) etwas häufiger als Bedrohung ansehen.

Gesundheit: Rezept für ein langes Leben – bitte lächeln
Fast jeder Dritte (30 Prozent) glaubt, mit positivem Denken könne man sein Leben verlängern. Nur knapp jeder Fünfte traut regelmäßigen medizinischen Check-Ups denselben Effekt zu, etwa jeder Vierte hält Sport und Bewegung für den Schlüssel für ein langes Leben. Dagegen werden Risiken wie eine falsche Ernährung und der Konsum von Nikotin zum Teil deutlich unterschätzt: Zwar bewertet fast die Hälfte aller Befragten die verkürzte Lebenserwartung eines Rauchers im Vergleich zu einem Nichtraucher richtig. Aber wenn es darum geht, was sie selbst für ein langes Leben tun können, halten nur 12 Prozent der Deutschen Nichtrauchen für eine Option.

Geld: Nur Bares ist Wahres
91 Prozent (2018: 93 Prozent) der Deutschen lieben ihre Scheine und Münzen im Portemonnaie. Fast ausnahmslos halten Frauen (93 Prozent) und Männer (89 Prozent) am Bargeld fest! Etwas offener zeigen sich nur junge Menschen: Bei den 18–30-Jährigen können sich immerhin 16 Prozent ein Leben ohne bare Münze vorstellen, bei den 31–40-Jährigen sind es noch 13 Prozent. Die über 60-Jährigen halten mit 94 Prozent am meisten an ihrem vertrauten Bargeld fest. Sind Papiergeld und Moneten für sie, mehr als für alle anderen, ein Zeichen für Beständigkeit und Sicherheit im Alltag? Vor allem Facharbeiter und Selbstständige (je 95 Prozent) lehnen die Abschaffung des Bargelds ab. Etwas offener für ein Leben ohne Bargeld zeigen sich Beamte (14 Prozent) und Angestellte (12 Prozent) sowie auch berufstätige Befragte (11 Prozent) im Vergleich zu Menschen ohne Job (7 Prozent).

Fazit
„Gerade beim Thema Naturkatastrophen zeigt der zweite ERGO Risiko-Report, dass sich das Bewusstsein der Öffentlichkeit schnell ändern kann – vorausgesetzt, den Menschen stehen ausreichend valide Informationen zur Verfügung. Deutlich wird aber auch, dass dies bei den Themen Alter, Gesundheit, Sicherheit, Geld und insbesondere Digitalisierung nicht der Fall ist“, fasst Gigerenzer die Ergebnisse zusammen. „Hier sollte der Staat seine Zurückhaltung aufgeben: Nur, wenn er den Bürgerinnen und Bürgern eine verlässliche Orientierungshilfe bietet, können diese auch im digitalen 21. Jahrhundert selbstbestimmte Entscheidungen über ihr Leben treffen“.

Weiterführende Informationen sowie alle Ergebnisse zu den Kapiteln Digitalisierung, Alter, Sicherheit, Gesundheit und Geld finden Sie unter www.risikoreport.de.

ERGO Risiko-Report

Complete report with graphics

ERGO Risk Report 2019 (PDF file, German version)

For further information, please contact:

Katharina Denkler

ERGO Group AG
Media Relations

Tel +49 211 477-2324
katharina.denkler@ergo.de
media-relations@ergo.de

About the ERGO Group AG

ERGO is one of the major insurance groups in Germany and Europe. Worldwide, the Group is represented in about 30 countries and concentrates on Europe and Asia. German, international, direct and digital business as well as all IT activities and technology services are bundled in four separate units (ERGO Deutschland, ERGO International, ERGO Digital Ventures and ERGO Technology & Services Management) under the umbrella of ERGO Group AG. About 40,000 people work for the Group, either as salaried employees or as registered sales representatives. In 2018, ERGO recorded a total premium income of 19 billion euros and rendered benefits to customers of 15 billion euros (net). ERGO is part of Munich Re, one of the leading reinsurers and risk carriers worldwide.
More at www.ergo.com

About the ERGO Risk Report

This representative survey on risk literacy and personal responsibility among Germans was conducted under the scientific direction of Professor Gerd Gigerenzer, Director of the Harding Center for Risk Literacy at the Max Planck Institute for Human Development. The Risk Report 2019 is the second in the series and the full report will be published in September. Between 22 March and 9 April 2019 the independent market research and consultancy institute HEUTE UND MORGEN GmbH interviewed 3,200 people aged 18 and above.
More at www.risikoreport.de (German version)

Disclaimer

This press release contains forward-looking statements that are based on current assumptions and forecasts of the management of ERGO Group. Known and unknown risks, uncertainties and other factors could lead to material differences between the forward-looking statements given here and the actual development, in particular the results, financial situation and performance of our Company. The Company assumes no liability to update these forwardlooking statements or to conform them to future events or developments.

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