„Konsequenter Wachstumskurs“


ERGO greift nach dem chinesischen Automarkt

Magazine, 28.10.2019

Am heutigen Montag haben die ERGO Vorstände Markus Rieß und Karsten Crede ein „strategisches Partnerschaftsabkommen für das Versicherungsgeschäft“ geschlossen – und zwar mit Great Wall Motors, einem der innovativsten Automobilhersteller im Reich der Mitte mit einem Jahresabsatz von mehr als einer Million Pkw.

„Damit setzen wir den Wachstumskurs von ERGO konsequent fort“, so ERGO Chef Markus Rieß bei der Unterzeichnung des Abkommens: „Gemeinsam mit Great Wall Motors haben wir es uns zum Ziel gemacht, einen führenden Anbieter für technologie- und datengetriebene Produkt- und Servicelösungen im Ökosystem Mobilität aufzubauen. Wir werden damit die Präsenz von ERGO im strategisch wichtigen Wachstumsmarkt China weiter stärken.“ Zudem will ERGO dem neuen Partner auch direkt Produkte anbieten: Industrieversicherungen für seine Fabriken, Gewerbepolicen für seine Händler und Privatversicherungen für seine 70.000-köpfige Belegschaft.

Organisatorisch ist die neue Kooperation in die Landesgesellschaft ERGO China eingebettet, wird aber von ERGO Mobility Solutions vorangetrieben und inhaltlich gestaltet. Mehr über die Details und die weitere strategische Einordnung der neuen Kooperation erzählt Karsten Crede, Chef der ERGO Mobility Solutions und Vorstandsmitglied der Digital Ventures AG, im Interview.

Herr Crede, Anfang 2017 traten Sie und ERGO Mobility Solutions mit dem Anspruch an: „Wir wollen strategischer Partner der Automobilindustrie werden.“ Haben Sie schon damals mit China als Zielmarkt geliebäugelt?

Karsten Crede: In der Tat gehörte das Reich der Mitte für uns – neben dem Heimatmarkt Deutschland und den USA – schon immer zu den drei „automobilen Ankermärkten“, in denen wir als Versicherer, der „in Auto spricht“, unbedingt präsent sein wollten. Denken Sie nur an die mehr als 22 Millionen Pkw, die dort allein im vergangenen Jahr zugelassen wurden. Hierzulande waren es gerade einmal 3,3 Millionen, Tendenz fallend.

Doch auch jenseits dieses immensen Absatzpotenzials ist unsere neue Kooperation mit Great Wall Motors – nach dem Schulterschluss mit Ford, Volvo, BMW und der NRW-Garage in Deutschland sowie unserer Beteiligung an innovativen Start-ups wie Fair und Ridecell in den USA – ein konsequenter nächster Schritt für ERGO Mobility Solutions. Denn wie Sie richtig sagten: Wir sind angetreten, um gemeinsam mit starken Partnern innovative Angebote für Firmenkunden, private Haushalte und Autohäuser rund um „New Mobility“ zu entwickeln – also die Mobilitätswelt von morgen aktiv mit zu gestalten. Schließlich befindet sich Mobilität längst in einem disruptiven Wandel, auf den sich auch ERGO als Versicherer einstellen muss.

Was macht Great Wall Motors vor diesem Hintergrund zum geeigneten Partner?

Crede: Das Unternehmen beschäftigt 70.000 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Jahresumsatz von umgerechnet 13 Milliarden Euro und will bis 2021 mehr als 1,2 Millionen Autos pro Jahr verkaufen – demnächst auch hierzulande. Sein Gründer Jianjun Wei ist bestens vernetzt in der chinesischen Politik, wird aber auch in Berlin als Gesprächs- und Geschäftspartner geschätzt, weil er Deutschland als wichtigsten Zielmarkt in Europa fokussiert. Zwar baut Great Wall Motors derzeit noch mehr SUVs und Pickups als jeder andere Autobauer in China, doch investiert das Unternehmen massiv in Elektromobilität – etwa im Rahmen eines Joint-Ventures mit BMW – und setzt schon heute mehr als 10.000 Mitarbeiter im Bereich Forschung und Entwicklung ein.

Was für uns aber ebenso wichtig ist: Great Wall Motors ist der einzige Autobauer im Reich der Mitte, der auf seinem Expansionskurs auch das Thema „Versicherungen“ konsequent berücksichtigt und hierfür auf der Suche nach einem international und breit aufgestellten Partner war. Indem ERGO dieser Partner wird – und die Versicherungsbedürfnisse von Great Wall Motors, dessen Kunden und Handelspartnern mit innovativen, digitalen und integrierten Versicherungs- und Mobilitätslösungen abdeckt – erhalten wir im Gegenzug wertvollen Einblick in technologische Innovationen sowie in Fahrzeug- und Kundendaten. Die Erkenntnisse aus dieser Partnerschaft in Fernost dürften uns also durchaus auch in anderen Märkten helfen.

Was ist das vereinbarte Ziel dieser neuen Partnerschaft – und was sind die ersten Schritte?

Crede: Unser gemeinsames Ziel ist der Aufbau eines führenden Anbieters für technologie- und datengetriebene Produkt- und Servicelösungen im Ökosystem „Mobilität“ für den gesamten chinesischen Markt. Die Basis der zukünftigen Zusammenarbeit sind also Technologie, Datenmanagement sowie durchgängig digitale Lösungen.

Insgesamt stärkt das integrierte Geschäftsmodell das Vertriebs- und Partnernetzwerk von Great Wall Motors und ERGO China. Hierfür haben wir durch unsere Kooperation mit der NRW-Garage natürlich eine wertvolle Referenz. Und dank „Interlocking“ mit der Munich Re können wir in unseren Kooperationsgesprächen umso mehr Expertise in die Waagschale werfen – etwa das besondere Know-how der Münchener Kollegen bei größeren Industrieversicherungen für die Fabriken unseres neuen Partners. Sie sehen: Für unser Streben nach umfassenden „Win-win-win-Abkommen“ für Erstversicherungs-, Rückversicherungs- und Mobilitätsanbieter ist die Kooperation mit Great Wall Motors ein logischer weiterer Schritt.

Das Interview führte Ingo Schenk

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