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#DeinWeg 2014: Interview mit Gewinner Kevin Schön


Mut & Machen, 19.02.2015

Der Soziologe Kevin Schön hat mit seiner Initiative „Alle Macht den Rädern“ den mit 5.000 Euro dotierten ERGO Award „Dein Weg“ gewonnen.

In der Bundeshauptstadt betreibt er mit zwei Mitstreitern das „Berliner Institut für Mobilität und Gesellschaft“, das sich für bessere Verkehrsbedingungen und lebenswerte Städte einsetzt. Ganz oben auf der Wunschliste des Preisträgers: optimale Bedingungen für Radfahrer. Was Kevin Schön sonst noch beschäftigt, lesen Sie in unserem Interview.

Herr Schön, wie haben Sie vom ERGO Award „Dein Weg“ erfahren?
Ein Bekannter hat mich darauf aufmerksam gemacht. Er hatte den Aufruf auf Twitter entdeckt.

Stand es für Sie sofort fest, dass Sie sich bewerben wollen?
Zumindest fand ich, dass ich mit dem Projekt „Alle Macht den Rädern“ die Voraussetzungen ganz gut erfülle. Auch war die Ausschreibung sehr offen formuliert, man konnte sich also mit ganz unterschiedlichen Vorhaben bewerben.

Könnten Sie uns ganz kurz und knapp sagen, worin es bei Ihrer Initiative geht?
Wir untersuchen einerseits wissenschaftlich-analytisch die Wechselwirkungen zwischen Stadt und Mobilität, also beispielsweise die Frage, wie sich bestimmte Arten von Mobilität auf die Stadt auswirken. Andererseits wollen wir auch gestalterisch wirken – im Hinblick auf eine sinnvolle Nutzung des städtischen Raums und eine zukunftsfähige Mobilität. Und hier steht das Fahrrad als urbanes Verkehrsmittel für uns im Mittelpunkt.

Radfahren ist schon lange Ihre Leidenschaft. Wann ist daraus die Initiative „Alle Macht den Rädern“ entstanden?
Ich bin ein klassischer Alltagsradler und hatte wie jeder, der viel in der Stadt radelt, einen gewissen Frust, was den Verkehr anging. Das gab vor zwei Jahren den Anstoß, die Initiative und den Blog zu gründen.

Wie hat sich aus diesen Anfängen ein respektables Projekt entwickelt?
Wir – zwei Soziologen und eine Kulturwissenschaftlerin – haben schnell Zuspruch für unsere Texte bekommen und so gemerkt, dass wir einen Nerv getroffen haben. Daraufhin haben wir unsere Aktivitäten sowohl on- als auch offline stets weiter ausgebaut und uns auch mit anderen Gruppen und Einzelpersonen vernetzt. Vor einigen Monaten haben wir dann das „Berliner Institut für Mobilität und Gesellschaft“ gegründet, das sich dem wissenschaftlichen und strategischen Part unserer Arbeit widmet. Aus dem Blog ist jetzt das Online-Magazin „Urbanist“ geworden, das als unser Sprachrohr fungiert.

Wie haben Sie Ihre Chancen beim ERGO Award „Dein Weg“ eingeschätzt?
Wir haben natürlich auf einen Erfolg gehofft, aber letztlich war es eine sehr schöne Überraschung!

Was glauben Sie, was die Menschen an Ihrem Projekt begeistert hat?
Ich denke, zur Zeit wird viel über die Entwicklung unserer Städte nachgedacht – Stichwort „Urbanisierung“ – und damit auch über Mobilität. Und gerade für Städte stellt ein intensiver Autoverkehr eine große Belastung dar. Hier kommt das Fahrrad als Verkehrsmittel ins Spiel. Es ist flexibel, schnell, Platz sparend – mit einem Wort: äußerst praktisch!

Wie geht es jetzt weiter? Wofür werden Sie die Siegprämie nutzen?
Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einem Buch über urbane Mobilität. Dann möchten wir im Sommer wieder Projekte wie unser Fahrradkino durchführen. Dabei nutzen wir fensterlose Hauswände in der Stadt als Projektionsflächen für Filme. Außerdem müssen wir unser Büro finanzieren.

Wie beurteilen Sie den ERGO Award insgesamt? Gibt es Verbesserungspotenzial?
Mir gefällt sowohl die Idee als auch die Umsetzung. Besonders positiv finde ich die Offenheit: Es gab ja beim ERGO Award keine inhaltlichen Vorgaben oder Beschränkungen. Vielleicht könnte man in Zukunft noch etwas deutlicher sagen, an welchem Punkt eines Vorhabens man sich am besten bewerben sollte: ganz am Anfang, irgendwann mittendrin oder dann, wenn man bereits auf Erfolge zurückblicken kann. Das war mir nicht ganz klar.

Was raten Sie Menschen, die noch ganz am Anfang stehen? Was braucht man, um aus einem Traum ein realistisches Projekt zu machen?
Ob eine Idee gut ist, lässt sich nicht unbedingt vorhersehen. Ganz ohne Risikobereitschaft geht es aus meiner Sicht daher nicht. Außerdem braucht man Disziplin, um sich wirklich in eine Sache hineinzuknien. Man muss Zeit und Ausdauer mitbringen. Ich kann außerdem nur jedem raten, sich gute Mitstreiter zu suchen. Mit einem Team und einem Netzwerk kommt man mit Sicherheit schneller ans Ziel.

Vielen Dank!

Autor: Kristina Tewes

Kristina Tewes betreut das Online-Magazin Wir bei ERGO. Bevor sie 2008 in die Unternehmenskommunikation von ERGO wechselte, arbeitete sie als Journalistin bei verschiedenen Tageszeitungen. Vor und nach der Arbeit kümmert sie sich um ihre drei Kinder, ihren Mann und ihr Pferd.

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