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Digitalisierung & Technologie, 26. August 2022
Sind Non Fungible Token alias NFTs die Zukunft der Kunstbranche? Oder sitzen wir einem Hype auf, der seinen Höhepunkt bereits überschritten hat? Julia Ries, Kunstversicherungsexpertin und Leiterin von ERGO Art & Values, hat sich für das Cash Magazin Gedanken darüber gemacht, welche Bedeutung das neue Genre für die Kunstversicherung hat.
Non Fungible Token sind wie digitale Grundbucheinträge, in denen hinterlegt ist, wer wann zu welchem Preis gekauft hat, was das Werk zeigt und wer der Schöpfer ist. So wird aus einer beliebig reproduzierbaren Datei ein Unikat und damit ein potenziell wertvolles Sammlerstück. Zum NFT werden kann alles, was digitalisierbar ist: ein PDF, Fotos, Kunstdrucke, ja auch Videos und Musik.
Der Künstler Beeple hat den NFT-Hype Anfang 2021 losgetreten – mit seinem Werk erzielte er bei Christies 69 Millionen US-Dollar.
Die Künstlerin Alicia Kwade hat ihr Genom auf DIN-A4-Seiten ausdrucken lassen, den Ausdruck in gut 10.000 Teile à 25 Seiten portioniert, jedes Einzelne zum NFT gemacht und für etwa 300 Euro das Stück veräußert.
In noch mehr NFT-Teile – nämlich 312.686 – hat ein anonymer Künstler sein Werk mit dem Namen „Merge“ zerlegt. Wie bei Aktien konnten Sammler Anteile am Werk erwerben. 91,8 Millionen US-Dollar soll die Aktion eingebracht haben.
Wie kann man Daten, die gleichzeitig einen künstlerischen Wert darstellen, versichern?
Mit dem klassischen Portfolio der Kunstversicherung – dem Absichern von möglichen Schäden bei Lagerung, Transport, Restaurationen und Diebstahl – haben Non Fungible Tokens rein gar nichts zu tun. NFTs können nicht von der Wand fallen oder mit Torten beworfen werden.
NFTs kann man derzeit vielleicht am ehesten der Cyber-Versicherung zuzuordnen. Cyberschutz aber bezieht sich nicht explizit auf Kunstwerke, sondern auf Datenverluste. Die spannende Frage ist: Wie kann man Daten, die gleichzeitig einen künstlerischen Wert darstellen, versichern?
Lösungen sind derzeit nicht existent, aber die Branche arbeitet daran. Munich Re als Rückversicherer und ERGO als Erstversicherer kooperieren unter anderem mit dem Start-up 4ART Technologies AG, das auf Blockchain-Zertifizierung von Kunstgegenständen spezialisiert ist.
Fraglich ist, ob NFTs sich weiter durchsetzen werden oder handelt es sich um einen Hype? Gekoppelt an die aktuelle Abwärtsspirale der Kryptowährungen stagniert auch der Markt für NFT-Kunst. Wiederverkäufe erreichen mittlerweile zum Teil nicht einmal den Einstiegswert.
Hinzukommt, dass NFTs zudem ein Nachhaltigkeitsproblem haben; die vielen dezentralen Rechner in der Blockchain verbrauchen große Mengen an Strom. In Zeiten des Klimawandels sind dies Aspekte, die kritisch zu betrachten sind.
Debattiert wird zudem der Unikat Charakter von NFTs. Nur aus der Tatsache, dass ich in irgendwelchen Rechnern unzweifelhaft nachweisen kann, dass eine digitale Autogrammkarte mir und nur mir gehört, soll sich ein (unendlich hoher) Wert ableiten? Das sind Pseudozertifikate, sagen viele.
Für die NFTs spricht hingegen ihre Niederschwelligkeit. Jeder kann mit NFTs Künstler sein. Man braucht weder Galeristen noch sonstige Verbindungen, um auf Krypto-Handelsportalen entdeckt zu werden. Und jeder kann zum Sammler werden, weil man unkompliziert online ordert. So könnte der Kunstmarkt erheblich größer werden.
Der jährlich erscheinende Tech Trend Radar von Munich Re und ERGO hat 2022 unter anderem „Smart Contracts“ als Megatrend aufgenommen. Das sind Vertragswerke, die auf Blockchains gespeichert und betrieben werden und damit auch die Basis für NFTs bilden.
Darüber hinaus beflügelt das Metaverse die Fantasien. In Vorstufen können bereits heute virtuelle Objekte wie Grundstücke gekauft werden – mittels NFT. All das sehen wir bei ERGO als zusätzlichen Beleg dafür, dass NFTs – bei aller Volatilität – eine Zukunft haben könnten – auch als Kunstform. Kunstversicherer tun deshalb gut daran, sich mit Lösungen zu befassen.
Zum vollständigen Gastbeitrag von Julia Ries im Cash Magazin geht es hier:
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