Viele haben noch die verheerenden Brände in Los Angeles vor Augen, da brennen auch schon wieder die Wälder in Südeuropa. Und auch in Deutschland ist die Waldbrandgefahr durch anhaltende Trockenheit groß. Sollten deutsche Industrieunternehmen hier aufhorchen?
Sebastian Kempka: Sie sollten nicht nur aufhorchen – sie sollten handeln. Viele Unternehmen unterschätzen noch immer, wie stark sich das Waldbrandrisiko in Europa verändert hat. Waldbrände sind kein Risiko, das nur Kalifornien oder Südeuropa betrifft. Sie können heute auch Industrie- und Logistikstandorte in Deutschland direkt oder indirekt beeinträchtigen.
Schauen Sie sich an, was am 5. Juli 2026 in Thessaloniki passiert ist: Ein Vegetationsbrand am nordwestlichen Stadtrand griff auf ein Industriegebiet über – eine Recyclinganlage und ein Textilbetrieb gerieten in Brand. Das ist kein exotisches Szenario. Das betrifft auch Mitteleuropa. Unternehmen mit Anlagen in Waldnähe sollten das sehr ernst nehmen.
In Deutschland wird die Waldbrandbekämpfung zusätzlich dadurch erschwert, dass zahlreiche Waldgebiete mit Kampfmittelresten belastet sind. Beim jüngsten Waldbrand nahe Bad Kreuznach konnte die Brandbekämpfung daher teilweise nur mithilfe eines Löschroboters erfolgen, um Einsatzkräfte nicht unnötig zu gefährden.
Was treibt diese Entwicklung an? Ist es allein der Klimawandel?
Sarah Reuter: Der Klimawandel ist ein entscheidender Faktor für die steigende Waldbrandgefahr. Treiber für Waldbrände sind im Wesentlichen: zunehmende Trockenheit, niedrige Luftfeuchtigkeit, Trockenblitz und starke Winde, welche zunehmend vom Klimawandel verstärkt werden. Dadurch erhöht sich in vielen Regionen das klimatische Potenzial für Waldbrände. Ob und wann es tatsächlich zu Bränden kommt, hängt jedoch weiterhin von Zündquellen, der Vegetation und weiteren lokalen Faktoren ab.
Wie lässt sich die Gefährdung eines Standorts überhaupt einschätzen?
Sarah Reuter: Das gelingt in zwei Schritten. Zunächst fassen wir klimatische Einzelparameter – u.a. Blitzdichte, Dürre, relative Luftfeuchtigkeit, Oberflächenwinde – zu einem Waldbrandpotenzial zusammen. Der zeigt, wo die Voraussetzungen für Brände günstig sind. Aber das allein reicht nicht. Ein hohes Potenzial in der Wüste bedeutet wenig, weil dort kaum brennbares Material vorhanden ist.
Erst mit zusätzlichem Blick darauf, ob und welche Art von Vegetation an einem Standort vorhanden ist, ergibt sich ein vollständiges Bild der Waldbrandgefährdung.
Eine solche Bewertung liefert die KA Köln.Assekuranz im Rahmen ihrer Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse, indem sie klimatische Bedingungen mit Informationen zur Landnutzung und Vegetation zusammenführt.