Australien hat Ende 2025 ein striktes Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt. Seitdem wird dieses Thema international heiß diskutiert. Auch in Europa und Deutschland reißen die Diskussionen zwischen Befürwortenden und Gegnern nicht ab. Wir geben einen Überblick über den aktuellen Stand und stellen die Frage, ob ein staatliches Verbot ein wirksames Mittel zur Rettung der mentalen Gesundheit unserer Jugend sein kann.
Im ersten Monat des Social-Media-Verbots für Unter-16-Jährige haben die großen Social-Media-Plattformen zusammen rund 4,7 Millionen Konten von Jugendlichen in Australien gesperrt. Die angedrohten Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australische Dollar (rund 28,5 Millionen Euro) verfehlten ihre Wirkung also nicht. Ob das Verbot aber auch eine positive Wirkung auf die Jugendlichen hat, wird sich nicht so schnell belegen oder widerlegen lassen.
Australien macht den Anfang, andere Länder wollen nachziehen
„Es ist ein weltweit wegweisendes Gesetz, das nun in vielen Ländern als Vorbild dient“, und auf das Australien stolz sein könne, so Australiens Premierminister Anthony Albanese. Und die Chancen für ähnliche Gesetze in anderen Ländern stehen gut.
So hat die Nationalversammlung in Frankreich ebenfalls für ein Nutzungsverbot sozialer Netzwerke für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gestimmt. Wenn die Vorlage den Senat passiert, kann das Gesetz ab September 2026 in Kraft treten. Damit wäre Frankreich das erste europäische Land, das dem Beispiel Australiens folgt.
Auch in Dänemark wurde bereits eine neue Regelung auf den Weg gebracht. Hier soll es jedoch kein striktes Social-Media-Verbot mit einer Altersgrenze von 15 Jahren geben. Stattdessen sehen die dänischen Pläne ein Mitspracherecht der Eltern vor. Wenn sie ihren Kindern die Nutzung explizit erlauben, müssen diese nicht bis zum 15. Geburtstag warten.
Die niederländische Minderheitsregierung versucht hingegen, keine nationale Regelung umzusetzen, sondern will auf EU-Ebene das Mindestalter für die Nutzung von Social-Media-Plattformen von 13 auf 15 Jahre anheben lassen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez will Kinder und Jugendliche vor dem „digitalen Wilden Westen“ schützen und kündigte daher zeitnah einen entsprechenden Gesetzentwurf noch im Februar an. Dabei könnte es nicht nur um ein Verbot sozialer Netzwerke für unter 16-Jährige gehen. Geprüft werden soll auch, ob Führungskräfte der Plattform-Betreiber für die Verbreitung illegaler Inhalte, Hassreden und die Manipulation durch Algorithmen zur Verantwortung gezogen werden können.
In Deutschland haben sich bereits verschiedene Vertreter von Union, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und BSW offen für ein Verbot gezeigt. Nachdem das Europaparlament im November 2025 die EU-Länder aufgefordert hatte, soziale Medien für Kinder und Jugendliche unter 13 Jahren zu verbieten, hat Bundesfamilienministerin Karin Prien eine Expertenkommission eingesetzt. Diese soll bis zum Sommer 2026 Empfehlungen ausarbeiten.
Gegenstimmen: Das sagen die Kritiker
Zu den Kritikern von Social-Media-Verboten gehört das Deutsche Kinderhilfswerk. In einer Stellungnahme erklärt Geschäftsführer Kai Hanke unter anderem: „Pauschale Medienverbote können zwar den Zugang zu riskanten Online-Räumen erschweren, doch ein kompetenter und sicherer Umgang wird nur in der aktiven Nutzung junger Menschen erlernt.“ Ein generelles Verbot würde zudem die Beteiligung junger Menschen an wesentlichen Gesellschaftsthemen wie Politik, Kultur und Bildung beschneiden.
Auch in der Bundesschülerkonferenz gibt es Vorbehalte. So sei ein Verbot keine Lösung für ein Problem. Stattdessen müsse es um Bildung gehen, die Kindern und Jugendlichen die nötigen Kompetenzen für den Umgang mit sozialen Medien vermittelt.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt auf der Basis einer Befragung unter jugendlichen Internet-Nutzer*innen auch der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (AWO). So greife „ein generelles Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige zu kurz“ und biete zudem keine Lösung für den Jugendschutz.
Die Befragung (pdf) der Betroffenen ist spannender Perspektivwechsel, da sie zeigt, dass den jungen Menschen die Risiken wie problematische Algorithmen, Suchtmechanismen, sexualisierte Inhalte oder Hass und Gewalt bewusst sind. Ein generelles Verbot würde die Realität der Jugendlichen daher ignorieren.