In diesem Umfeld ist Anpassungsfähigkeit gefragt: Der Fokus rückt von Fachkompetenz verstärkt auf Fähigkeiten, die Menschen hier resilient machen: Sich auf neue Situationen einzustellen, komplexe Zusammenhänge zu begreifen und auch unter unsicheren Bedingungen fundierte Entscheidungen zu treffen. Für diese übergeordneten Kompetenzen hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend der Begriff Metaskills etabliert.
Was sind Metaskills?
Bei Metaskills geht es im Grunde um eine Verschiebung der Gewichtung von Kompetenzen. Die Vorsilbe „Meta“ verweist auf eine übergeordnete Ebene: Im Mittelpunkt steht hier nicht das Fachwissen. Metaskills sind Fähigkeiten, die sich darum drehen Wissen einzuordnen, Informationen zu verknüpfen und auch unter Unsicherheit fundierte Entscheidungen zu treffen, gewinnen an Bedeutung.
Eine einheitliche und eindeutige Definition des Begriffs gibt es nicht. Je nach Autor oder Kompetenzmodell werden Metaskills unterschiedlich beschrieben und teilweise auch unter Begriffen wie Future Skills oder Meta-Kompetenzen diskutiert. Gemeinsam ist den Ansätzen eine Annahme: In einer zunehmend dynamischen Welt, in der Faktenwissen theoretisch ständig verfügbar ist, sind es die überfachlichen Fähigkeiten, die zählen.
Was sind sie nun, diese Skills für den Arbeitsmarkt-Erfolg in unsteten Zeiten? So viel sei schon verraten: Neu sind sie nicht. Und auch wenn sich je nach Fokus der Betrachtung die exakten beschriebenen Fähigkeiten unterscheiden, lassen sich klare Kompetenzbereiche ausmachen, die für die Karriere heute und in Zukunft wichtiger sein könnten denn je:
- Denken und Verstehen: Klingt banal und ist doch angesichts der Vielzahl an Informationen, die heute auf uns einprasseln, nicht zu unterschätzen: Die Fähigkeit, Informationen kritisch zu prüfen, Zusammenhänge zu verstehen und auch komplexe Sachverhalte einzuordnen, umfasst Kompetenzen wie analytisches Denken, Urteilsfähigkeit, Mustererkennung und Kontextverständnis. Sie helfen dabei, Informationen kritisch zu prüfen, zu bewerten, ob sie wirklich belastbar sind und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen.
- Selbststeuerung: Veränderungen sind im beruflichen Alltag heute eher die Regel als eine Ausnahme: Neue Technologien, Anforderungen oder Regularien begegnen uns ständig. Hier gilt es, Anpassungsfähigkeit zu beweisen. Das heißt: Das eigene Handeln kontinuierlich zu reflektieren und die Fähigkeit, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen, sind und bleiben eine Schlüsselkompetenz. Dazu zählen Selbstmanagement sowie Lernfähigkeit und vor allem auch -bereitschaft. Aber auch Eigeninitiative, Resilienz und die Fähigkeit zu priorisieren sind für eine Arbeitswelt im ständigen Wandel unerlässlich.
- Soziale Fähigkeiten: Der KI-Kollege verzeiht auch ungehobelten Teammitgliedern, wiederholt die gleiche Frage gerne geduldig zum zehnten Mal und klagt schlechte Briefings höchstens durch schlechte Ergebnisse an. In der Zusammenarbeit mit Menschen läuft das anders. Hier gilt es konstruktiv zusammenzuarbeiten, zuzuhören und klar und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Social Skills, also zwischenmenschliche Kompetenzen wie Empathie, Kommunikations- und Teamfähigkeit bleiben wichtig: Projekte werden komplexer und interdisziplinärer, Entscheidungen müssen häufig abgestimmt werden. Soziale Intelligenz und Teamkultur sind wichtige Säulen funktionierender Teams.
- Innovation und Gestaltung: Wer sich wirklich ganz nach vorne bringen möchte, muss noch mehr können, als auf Veränderungen zu reagieren. Je besser Künstliche Intelligenz darin wird, bestehende Muster zu erkennen und standardisierte Aufgaben zu übernehmen, desto wertvoller werden diejenigen, die selbst Veränderungen anstoßen, neue Wege und Chancen erkennen und andere davon auch überzeugen können. Hier kommen Skills ins Spiel, die die KI nicht so einfach lernen kann: Kreativität, Neugier, Experimentierfreude und Innovationsgeist.
- Werte und Verantwortung: Unsicherheit bzw. Unvorhersehbarkeit, Geschwindigkeit, Vernetzung – viele Entscheidungen können und müssen heute in einen größeren Kontext eingeordnet werden. Heute reicht es nicht mehr aus, nur die unmittelbaren Auswirkungen einer Entscheidung zu betrachten. Auch ihre Folgen für Menschen, Gesellschaft und Umwelt müssen berücksichtigt werden. Deshalb zählen auch Eigenschaften wie ethisches bzw. wertegeleitetes Urteilsvermögen, Integrität und Nachhaltigkeitsdenken zu den Metaskills der Zukunft. Während Algorithmen Wahrscheinlichkeiten berechnen können, bleibt es Aufgabe des Menschen, Entscheidungen im Spannungsfeld von Werten, Interessen und Verantwortung zu treffen.
Menschliche Stärken neu denken
„Vieles, was für die Menschen schwierig ist, ist für die Maschine leicht – und umgekehrt.“ Das schreibt der Schweizer Philosoph und Publizist Eduard Kaeser über künstliche Intelligenz. Ob das nun immer so eindeutig ist und vor allem bleibt, sei dahingestellt. Die Konsequenz daraus ist aber wertvoll: Der Schwerpunkt menschlicher Kompetenz ist in Zukunft nicht unbedingt sein Fachwissen. Fachliche Kompetenz bleibt wichtig, reicht aber auf lange Sicht nicht aus. Je mehr Wissen durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz jederzeit verfügbar ist, desto entscheidender wird Orientierungswissen, also die Fähigkeit, Informationen einzuordnen, abzuwägen und verantwortungsvoll zu nutzen. Metaskills sind aus dieser Perspektive ebenjene Fähigkeiten, die die menschliche Perspektive, aber auch die menschlichen Pflichten in den Fokus rücken. Wer Wirkung entfalten will, muss nicht alles wissen, sondern verstehen, was relevant ist, welche Folgen Entscheidungen haben und wo die Grenzen von Daten, Modellen und Empfehlungen liegen.
Autorin: Sonja Engels