Der ERGO ScaleHub begrüßt Lifelight als neues Accelerator Mitglied. Dieses Startup aus Großbritannien ermöglicht mit seiner App, Puls und Blutdruck einfach über die Smartphone-Kamera zu messen. Dieser neue Maßstab in der digitalen Gesundheitsversorgung ist bereits in der DKV Seguros App live für unsere Kunden erlebbar. Die Einzelheiten verrät Gründer Laurence Pearce im //radar-Interview.
Hi Laurence, könntest Du uns kurz Lifelight vorstellen und Eure Mission erläutern?
Gern, wir sind ein britisches Health-Tech-Unternehmen mit dem Ziel, die Blutdruckmessung so einfach und zugänglich zu gestalten wie den Blick auf das Smartphone. Unser Kernprodukt erlaubt es jeder Smartphone-Kamera, Puls, Atemfrequenz und Blutdruck kontaktlos in unter 40 Sekunden zu messen – ganz ohne Wearables oder Blutdruckmanschetten.
Millionen von Menschen leben mit unentdecktem Bluthochdruck oder kardiovaskulären Risiken, schlicht weil die Überwachung bisher umständlich war, einen Arztbesuch erforderte oder spezielle Hardware voraussetzte.
Indem wir Messfunktionen von klinischer Qualität in Apps integrieren, die bereits genutzt werden – sei es die App einer Krankenkasse, eine Telemedizin-Plattform oder das Portal einer Apotheke –, beseitigen wir diese Hürden vollständig. Lifelight ist als Medizinprodukt zertifiziert und erfüllt damit dieselben regulatorischen Anforderungen wie herkömmliche Messgeräte – nur eben ohne zusätzliche Hardware.
Ihr seid bereits in der DKV Spain App online. Wie ist es zu diesem Match gekommen?
Unsere Zusammenarbeit mit DKV Seguros nahm ihren Anfang mit der „Health4Good“-Challenge – einem Open-Innovation-Wettbewerb, der nach digitalen Gesundheitslösungen suchte, die das Leben der Versicherten tatsächlich verbessern könnten. Wir reichten unseren Beitrag ein, präsentierten unser Konzept und gewannen schließlich 2024 den Wettbewerb. Dies ebnete den Weg für einen strukturierten Integrationsprozess gemeinsam mit dem Digital-Health-Team des Unternehmens.
Der Weg vom Wettbewerbssieg bis zur Live-Integration umfasste eine umfassende technische Due-Diligence-Prüfung, eine regulatorische Bewertung sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Produkt- und Innovationsteams von DKV, einschließlich der für das Firmen- und Ambulanzgeschäft zuständigen Kollegen.
Seit Januar 2026 sind wir in der DKV-Seguros-App live. Versicherte können nun direkt über ihre bestehende Gesundheits-App auf einen Messvorgang auf Basis der Lifelight-Technologie zugreifen. Kein zusätzlicher Download, kein separates Gerät – die Lösung ist nahtlos in die gewohnte Anwendungsumgebung integriert.
Welche einzigartigen Technologien stecken hinter der Lifelight-App, und wie unterscheiden sie sich von bestehenden Lösungen?
Lifelight basiert auf der sogenannten Remote-Photoplethysmographie (rPPG) – einem Verfahren, das minimale, durch den Blutfluss bedingte Veränderungen der Hautfarbe erfasst. Hierfür werden lediglich eine herkömmliche Smartphone-Kamera und unsere proprietären Algorithmen zur Signalverarbeitung benötigt. Wir haben das Verfahren über Jahre hinweg für unterschiedlichste Hauttöne, Lichtverhältnisse und Gerätetypen optimiert, um eine konsistente und zuverlässige Leistung im praktischen Einsatz zu gewährleisten.
Was uns auszeichnet, ist nicht nur die Technologie, sondern auch unser Status im Hinblick auf die regulatorischen Anforderungen. Als CE-zertifiziertes Medizinprodukt der Klasse IIa wurde die Genauigkeit unserer Lösung unabhängig und nach klinischen Standards validiert. Dies ist ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal in einem Markt, in dem zahlreiche Wellness-Apps Gesundheitsmessungen versprechen, ohne die entsprechenden regulatorischen Nachweise zu erbringen.
Zum Thema Interoperabilität: Lifelight lässt sich per SDK integrieren. Das bedeutet, dass die Messfunktion direkt in die App des Partners eingebettet ist, so dass Nutzer nicht zwischen verschiedenen Anwendungen wechseln müssen. Je nach Systemarchitektur des Partners können die erhobenen Daten an elektronische Patientenakten (EHR), Versicherungsplattformen oder Dashboards für das Bevölkerungsgesundheitsmanagement (Population Health) übermittelt werden. Unser System ist darauf ausgelegt, sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe einzufügen, anstatt diese zu ersetzen.
Welche Rolle spielt der ERGO ScaleHub in Eurer Wachstumsstrategie?
Deutschland ist für uns ein strategisch wichtiger Markt, und der ERGO ScaleHub bietet uns etwas, das sich kaum auf anderem Wege schnell erreichen lässt: eine glaubwürdige Nähe zum Ökosystem.
Die Mitgliedschaft im Accelerator signalisiert, dass wir von einer der führenden Versicherungsgruppen Europas geprüft und anerkannt wurden. Dies ebnet den Weg für Gespräche, deren Anbahnung sonst Jahre dauern könnte.
Über die Assoziation mit der Marke hinaus bietet uns der ScaleHub praktische Unterstützung dabei, den deutschen Markt zu verstehen – etwa im Hinblick auf das regulatorische Umfeld, die internen Entscheidungsprozesse in Unternehmen sowie die kulturellen Erwartungen an Vertrauen und Compliance. Dank des Netzwerks konnten wir bereits wertvolle Kontakte knüpfen, darunter die Verbindung zu InsurLab Germany, die uns den Zugang zu einer breiten Gemeinschaft von auf das Gesundheitswesen spezialisierten Versicherern ermöglicht.
Was Deutschland konkret betrifft: Ja, wir prüfen derzeit aktiv den Aufbau einer Präsenz vor Ort. Düsseldorf ist aufgrund der hohen Dichte an Akteuren aus der Gesundheits- und Versicherungsbranche in dieser Region ein vielversprechender Standort. Und die Zugehörigkeit zur ERGO ScaleHub-Community macht diesen Schritt zu einer naheliegenden Option. Wir betrachten Deutschland als langfristigen Standort, nicht bloß als Markt, den man kurzzeitig erschließt und wieder verlässt.
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