Digitalisierung & Technologie, 31. März 2026

Wie KI den Kunsthandel und die Kunstversicherung verändert

Chancen, Grenzen und Auswirkungen auf die Kunstversicherung

Frau sitzt auf einer Bank vor zwei Gemälden

Neben der KI-gestützten Analyse, die Authentifizierungsprozesse von Kunstwerken erheblich effizienter gestaltet, unterstützt künstliche Intelligenz auch dabei, Schadenszenarien zu modellieren, Risikobewertungen zu erleichtern sowie Transport- und Logistikprozesse zu optimieren. Doch es gibt noch weitere Bereiche, in denen künstliche Intelligenz zunehmend Einfluss auf den Kunsthandel und auch die Kunstversicherung nimmt: die Wertermittlung und Dokumentation. Für Kunstversicherer sind diese Felder von besonderer Bedeutung, da die Versicherbarkeit eines Objekts unmittelbar mit der Verfügbarkeit belastbarer Bewertungs- und Dokumentationsgrundlagen verknüpft ist.

Präzisere Markt- und Preisanalysen

Empfehlungsalgorithmen, wie sie bereits seit Jahren auf digitalen Kunsthandelsplattformen eingesetzt werden, gewinnen deutlich an Präzision. Ein Nebeneffekt dieser zunehmenden Treffsicherheit ist die frühzeitige Erkennung von Markttrends. KI hat das Potenzial nachzuvollziehen, welche Künstler, Medien oder Themen verstärkt Aufmerksamkeit erfahren, und kann diese Entwicklungen in einen größeren Marktkontext einordnen.

Grundlage hierfür ist die Fähigkeit, große Mengen historischer Verkaufsdaten, Auktionsresultate, Ausstellungsbeteiligungen und Medienechos in kurzer Zeit auszuwerten und miteinander zu verknüpfen. Sie kann Marktbewegungen nachvollziehbar abbilden, Preisentwicklungen kontextualisieren und Prognosen unter Berücksichtigung verschiedener Einflussfaktoren erstellen. In Kombination mit weiteren Marktdaten entstehen belastbarere Fair-Value-Analysen, die die Bewertung beschleunigen. Dies erleichtert nicht nur Sammler:innen und Beratern die Einschätzung realistischer Preisniveaus, sondern bietet auch für Kunstversicherer neue Potenziale in der Festlegung von Versicherungswerten. Ihre Aussagekraft bleibt dort begrenzt, wo belastbare Vergleichsdaten fehlen, etwa bei sehr jungen künstlerischen Positionen oder selten gehandelten Werkgruppen.

Verbesserte Dokumentation

Neben der Wertermittlung trägt KI auch dazu bei, strukturelle Lücken in der Dokumentation von Kunstwerken zu schließen. Nicht nur im Handel, sondern auch im Kontext von Museen und Archiven können so Katalogisierungsprozesse effizienter gestaltet werden, indem die KI vorhandene Informationen aus Bild-, Text- und Datenquellen zusammenführt und strukturiert aufbereitet. Werkdaten, Provenienzen, Zustandsangaben und Ausstellungshistorien können so schneller und konsistenter dokumentiert werden. Diese verbesserte Datenlage hat unmittelbare Auswirkungen auf die Kunstversicherung. Häufig sind es eine unvollständige Dokumentation, die im Schadenfall zu Unsicherheiten bei der Wertermittlung oder Regulierung führen. Für Versicherer erhöht sich dadurch die Risikotransparenz erheblich.

KI als Ergänzung

Für die Kunstversicherung eröffnet KI damit vor allem neue Möglichkeiten, Bewertungsgrundlagen zu verbessern, Dokumentationslücken zu schließen und Risiken transparenter zu machen. Trotz dieser Fortschritte bleibt die menschliche Expertise unverzichtbar. KI kann Prozesse effizienter machen. Ihre Stärke liegt in der Unterstützung analytischer und dokumentarischer Prozesse, nicht im Ersatz kuratorischer oder versicherungstechnischer Fachkenntnis.

Text: Dr. Louisa Krämer-Weidenhaupt, Kunstexpertin und Underwriterin bei der ERGO Versicherung AG

Hinweis

Dieser Gastbeitrag ist zuerst erschienen im Rahmen der KI-Kolumne "Prompt! KI im Fokus" im Focus Money Versicherungsprofi.


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