Die digitale Transformation verändert nicht nur Prozesse, sondern auch die Unternehmenskultur …
Das stimmt, eine digitale Transformation ist immer auch eine kulturelle Transformation. Denn die beste Technologie entfaltet keine Wirkung, wenn sie von den Mitarbeitenden nicht angenommen und genutzt wird. Das betrifft nicht nur KI, sondern alle neuen Technologien. Als ERGO setzen wir hier deshalb an mehreren Stellen an, um unsere digitale Kultur erfolgreich zu verankern und weiterzuentwickeln.
Können Sie Beispiele nennen? Und was tun Sie, um die Mitarbeitenden aktiv bei diesem Wandel mitzunehmen?
So haben wir neben einer klar formulierten Digitalstrategie bereits seit Jahren eine Vorgehensvereinbarung zu digitalen Themen und Projekten mit unseren Mitbestimmungsgremien. Hier haben wir uns insbesondere auf ein Dialogformat verständigt, das Transparenz sowie ein gemeinsames Verständnis über die Inhalte und Auswirkungen der digitalen Transformation herstellen soll.
Außerdem ermöglichen wir unseren Kolleginnen und Kollegen über zahlreiche Initiativen, neue Technologien selbst zu erleben und zu nutzen. Ein Beispiel aus dem Bereich KI ist unser internes „ERGO GPT“-Modell. Dieses haben wir im Mai 2024 allen Mitarbeitenden von ERGO in Deutschland zur Verfügung gestellt und mit zahlreichen Befähigungsmaßnahmen begleitet. Im Rahmen des dazugehörigen „Adoption Managements” haben wir etwa ein Multiplikatorenprogramm aufgesetzt, eine „ERGO GPT Lounge” angeboten, sind auf Roadshows gegangen, habe eine Prompt-Bibliothek initiiert, einen Prompting-Wettbewerb und vieles mehr. Teilhabe und Partizipation sind für uns Schlüsselelemente einer gelebten digitalen Kultur.
Auch zu anderen Digitalisierungsthemen wie dem Metaverse, Robotics, Voice-Technologien und Co. holen wir Kolleginnen und Kollegen auf sämtlichen Wegen persönlich sowie mithilfe von Bild, Text und Ton ab. Etwa durch (Online-)Workshops und Fortbildungen, Thementage, Vorträge oder Artikel in unseren Corporate-Magazinen. Wir veranstalten seit 2017 mit unserem Chief Digital Officer Mark Klein auch an verschiedenen ERGO-Standorten in Deutschland regelmäßig den „digital.morning”. Bei dem Event werden aktuelle Digitalisierungsthemen diskutiert und erfolgreiche Anwendungsfälle aus den Fachbereichen vorgestellt.
Hier zeigt sich immer besonders schön, dass Kolleginnen und Kollegen mit den richtigen Maßnahmen nicht nur zu Nutzern einer Technologie werden. Sondern begeisterte Botschafter der Anwendungen, was sie wiederum selbst ins Unternehmen tragen. Das ist gelebte digitale Kultur.
Kann man bei der ERGO schon die „Kollegin KI“ erleben?
Ja, etwa in Form unseres internen „ERGO GPT”. Als Versicherungsbranche sind wir eine der am stärksten regulierten Branchen Deutschlands. Wir können deshalb nur sehr limitiert öffentliche Tools verwenden und haben nach dem Start von ChatGPT unsere eigene, sichere und datenschutzkonforme Variante entwickelt.
Im Prinzip handelt es sich bei „ERGO GPT“ um eine General Purpose AI. Das heißt, sie kann bei einer Vielzahl von textbasierten Tätigkeiten unterstützen, beispielsweise Mails schreiben oder Texte zusammenfassen, Konzepte entwickeln oder beim Coding helfen. Gelaunched wurde „ERGO GPT” im Mai 2024 und schon heute nutzen es über 60 Prozent der Belegschaft täglich. Es wurden bereits über 2 Millionen Prompts in „ERGO GPT“ eingegeben.
Wenn Sie auf Ihre bisherige Zeit als „Head of Innovation & Digital Transformation“ zurückblicken: Was haben Sie persönlich gelernt und wie hat sich vielleicht ihre eigene Rolle verändert?
In meiner bisherigen Zeit als „Head of Innovation & Digital Transformation“ habe ich einen signifikanten Wandel erlebt, der sich von einer Push- zu einer Pull-Praxis entwickelt hat. Wo wir früher also eher für die Nutzung einer Technologie geworben haben unter den Mitarbeitenden, kommen die Kolleginnen und Kollegen heute proaktiv auf uns zu und melden uns ihren Bedarf, etwa im Bereich Robotic Process Automation, Phonebots oder KI.
Es wurde zudem immer wieder deutlich, dass Innovation in erster Linie ein Prozess ist und keine Fähigkeit. Es ist wie ein Teamsport, bei dem Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung ist. Für den Erfolg von Innovationen ist es unabdingbar, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzuziehen, etwa aus den Bereichen Domain Expertise, IT, User Experience, Datenschutz und Recht. Die Kolleginnen und Kollegen müssen zudem mit den notwendigen Kapazitäten, Ressourcen und Innovations- sowie Governance-Prozessen unterstützt werden.
Und: Eine digitale Transformation ist ein Marathon, kein Sprint. Es kommt darauf an, kontinuierlich am Ball zu bleiben, aus Höhen und Tiefen zu lernen, sowohl die großen als auch die kleinen Erfolge zu feiern und die Kolleginnen und Kollegen konstant zu begeistern, zu befähigen und mitzunehmen. Denn jeder persönliche Beitrag ist wichtig für den Wandel. Dafür müssen die Kolleginnen und Kollegen aber sehen und erleben, was der Mehrwert digitaler Innovationen für sie ist.