Wie ernst ist die Bedrohungslage durch Deepfakes? Zahlen, Daten, Fakten im Überblick
Eine Cyber Security Studie von PwC zeigt, dass in den vergangenen drei Jahren bereits rund 90% der Unternehmen in Deutschland Ziel von Datenangriffen geworden sind (global 82%). Dabei erlitten knapp die Hälfte der Unternehmen finanzielle Schäden bis zu 1 Mio. US-Dollar.
Bereits 2024 haben weltweit etwa die Hälfte aller Unternehmen Betrugs-fälle mit sowohl Audio- als auch Video Deepfakes gemeldet. Häufig wer-den verschiedene Deepfake-Techniken auch kombiniert, wie beispiels-weise der Angriff auf das britische Ingenieurunternehmen Arup zeigt (siehe Abbildung). Identitätsmissbrauch gilt dabei als vorherrschende Bedrohung mit besonders auffällig hohen Zahlen in Deutschland, Mexiko und UAE (Quelle: Regula). In absoluten Zahlen stieg die Anzahl verbreiteter Deepfakes von ca. 500.000 im Jahr 2023 auf prognostizierte 8 Mio. im Jahr 2025 (Quelle: Deepstrike). Die Finanzbranche ist dabei besonders anfällig für finanzielle Verluste durch Deepfakes und Desinformation, da sie stark von digitalen Transaktionen mit Geldsummen abhängt und das Risiko eines Vertrauensverlustes erheblich ist. Aber auch andere Branchen, wie Medien und Telekommunikation sind häufig betroffen.
In der Versicherungsbranche werden Deepfakes neben gezielten An-griffen auf die IT- und Dateninfrastruktur auch zunehmend genutzt, um für gefälschte Schadens- oder Leistungsansprüche realistische Bilder und Dokumente zu erstellen oder um mit manipulierten Stimmproben oder Identitäten Kundenidentifikationssysteme zu überlisten. Laut eines Reports der Swiss Re nehmen auch Rechtsstreitigkeiten und Haftungs-ansprüche deutlich zu, da Versicherungsnehmer vermehrt Opfer von Deepfake-Betrügen werden. Schätzungsweise liegen die Schäden durch Versicherungsbetrug mit Deepfakes weltweit bereits über 120 Mrd. US-Dollar jährlich (Quelle: Computerweekly).
Wie können Organisationen sich schützen?
Die regulatorische Grundlage bietet u.a. der seit August 2024 schrittweise eingeführte EU AI Act, der Organisationen dazu verpflichtet, KI-generierte und genutzte synthetische Inhalte in einem maschinenlesbaren Format als künstlich oder manipuliert zu kennzeichnen (Quelle: EU AI Act).
Zur Sicherstellung der Authentizität und Integrität synthetischer Medien werden kryptografische Verfahren genutzt, um die Quelle des Materials eindeutig an eine Identität zu binden. Aktuelle Verfahren konzentrieren sich darauf, digitale Signaturen im Bild- oder Ton-Aufnahmeprozess zu verwenden, um nachträgliche unerwünschte Änderungen zu verhindern. Sogenannte „Poisoning-Angriffe“ dienen dazu, Manipulationen in Trainingsdaten systematisch abzuwehren (Quelle: BSI). Gerade mit Blick auf rechtssichere digitale Signaturen rückt auch die für 2027 geplante Einführung der EUDI-Wallet zur europaweiten sicheren Identifikation per Smartphone stark in den Fokus.
Deep Machine Learning-Modelle kommen auch zum Einsatz, um Anomalien und manipulierte Medien mithilfe von Deepfake-Trainings-daten und systemische Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und proaktive Schutzmechanismen zu entwickeln (Quelle: Fraunhofer AISEC). Umfassende Mitarbeiter-Schulungsmaßnahmen sowie Deepfake-Simulationen sind dabei ebenso wichtig wie vorausschauende Analyse-Tools, Echtzeit-Reporting und schnelle Reaktionsmechanismen.
Wo entstehen auch neue Chancen?
Sowohl im privaten als auch beruflichen Umfeld ist es essenziell, sich aktiv mit der Bedrohungslage durch Deepfakes auseinanderzusetzen. Dennoch sollten wir die positiven Aspekte des rasanten Technologiefortschritts nicht außer Acht lassen. KI-Technologien haben bereits in vielen Unter-nehmen deutliche Effizienzgewinne erzielt, sei es durch Prozessautomatisierung, KI-Agenten als virtuelle Mitarbeiter oder Alltagshelfer wie z.B. ERGOGPT. Kommunikations- und Marketingabteilungen arbeiten zunehmend mit generativer KI und können so schneller auf aktuelle Entwicklungen reagieren.
Neue Marktchancen gibt es auch im Produktmanagement, wo beispiels-weise neue Cyberversicherungs-Produkte entwickelt werden. Chat-, Voice-Bots sowie KI-Avatare revolutionieren die Kundeninteraktion, indem sie 24/7 einen schnellen Zugang zu Produkt- und Servicewelten bieten. Initiativen wie die EUDI-Wallet schaffen auf europäischer Ebene die Grundlage für ein weiteres Wachstum digitaler Transkationen und einen besseren Schutz unserer digitalen Identität. An KI führt heutzutage kein Weg mehr vorbei. Die Technologie ist gekommen, um zu bleiben. Umso wichtiger ist es, dass wir frühzeitig lernen, effektiv und verantwortungsbewusst mit ihr zu leben und zu arbeiten.
Text: Anna Kessler