Was sind typische Beschwerden?
Vier Befunde sind in Deutschland am häufigsten: Bei einem Senkfuß flacht das Fußlängsgewölbe ab. Dadurch wird die natürliche Stoßdämpfung des Fußes vermindert. In der ausgeprägten Form – dem Plattfuß – liegt das Fußgewölbe fast vollständig am Boden auf. Beim Spreizfuß weichen die Mittelfußknochen auseinander, sodass das vordere Quergewölbe einsinkt. Das führt häufig zu brennenden oder stechenden Schmerzen im Vorfuß. Häufig kommt es auch zu einem Knickfuß, bei dem die Ferse nach innen wegknickt. Schließlich plagt viele Menschen der Hallux valgus. „Dabei schiebt sich die Großzehe immer weiter in Richtung der kleinen Zehen, kombiniert mit einem schmerzhaften Vortreten des Großzehengrundgelenks“, so Solveig Haw, Ärztin und Gesundheitsexpertin der DKV.
Wie entstehen sie?
Fehlstellungen haben selten nur eine einzige Ursache, meist entstehen sie durch ein Zusammenspiel aus Genetik und Lebensstil. Eine Schwäche des Bindegewebes beispielsweise, die das Absinken der Gewölbestrukturen im Fuß begünstig, kann vererbt sein, aber auch Bewegungsmangel oder Übergewicht spielen eine Rolle. „Zu enge, spitze oder hohe Schuhe pressen die Zehen zusammen und fördern auf lange Sicht das Entstehen von Hallux valgus und anderer Vorfußprobleme“, ergänzt Haw. Auch ein Alltag mit wenig Barfuß laufen, harten Böden und Bewegungsmangel schaden der Fußmuskulatur. Wenn Übergewicht dazu kommt, verstärkt das die Belastung zusätzlich.
Praktische Tipps für fitte Füße
Oft zeigen kleine Veränderungen im Alltag bereits große Wirkung. Wer aktiv auf seine Füße achtet, beugt Schmerzen effektiv vor. Regelmäßiges Barfußlaufen stärkt die feinen Muskeln der Fußsohle am besten. Deshalb gilt es jede Gelegenheit zu nutzen, um ohne Schuhe über Gras, Sand oder Kieselsteine zu gehen: Die wechselnden Untergründe fordern und trainieren die Muskulatur. Zudem ist es hilfreich, die Schuhmodelle zu variieren, das verhindert eine einseitige Belastung der Füße. „Aus orthopädischer Sicht sind High Heels allerdings problematisch, vor allem bei längerem und häufigem Tragen“, so Haw. „Am besten sind flache oder leicht erhöhte Schuhe mit genügend Zehenfreiheit.“ Und wer glaubt, Sneaker seien das Allheilmittel: Hier kommt es auf das jeweilige Modell an. Mit einer sehr weichen Sohle beispielsweise arbeitet die Fußmuskulatur auf Dauer zu wenig, fehlende Stabilität im Rückfuß kann zu einer Überpronation führen, also einem übermäßigen Einknicken nach innen. Es hilft außerdem, beim Stehen und Gehen darauf zu achten, dass das Gewicht gleichmäßig auf die Ferse, den Großzeh- und den Kleinzehballen verteilt ist.
Das Drei-Minuten-Fuß-Workout
Diese schnellen Übungen lassen sich problemlos in den Alltag integrieren, beispielsweise beim Zähneputzen oder am Schreibtisch.
- Die Raupe: Die Zehen kraftvoll zusammenziehen und die Ferse nach vorne schieben. Den Fuß wie eine kleine Raupe vorwärtsbewegen – das trainiert vor allem die Muskulatur, die das Quergewölbe stützt.
- Die Greif-Übung: Eine Socke oder einen Stift auf den Boden legen. Den Gegenstand mit den Zehen greifen und kontrolliert anheben. Das stärkt die Muskulatur und kann das Quergewölbe unterstützen – hilfreich vor allem bei Spreizfuß.
- Der Zehenstand: Den Fuß langsam auf die Zehenspitzen rollen und kurz halten. Dann die Fersen wieder kontrolliert absenken – das kräftigt die Waden und stabilisiert das Sprunggelenk.
Bei starken und anhaltenden Beschwerden sollten Betroffene ärztliche oder physiotherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen.