Was macht ein Kunsthistoriker bei ERGO?


Magazine, 06.04.2017

Johannes Kasek hat es oft mit echten Schätzen zu tun: Er bewertet Kunstgegenstände und deren Risiken. Seit 2016 arbeitet der Kunsthistoriker als Kunstsachverständiger in der Abteilung Kunst- und Valorenversicherung bei ERGO und zeichnet außerdem als Underwriter Risiken für das Unternehmen.

Herr Kasek, als Kunsthistoriker sind Sie doch sicher ein Exot bei ERGO. Wie geht es Ihnen damit?
Johannes Kasek: Selbstverständlich unterscheide ich mich mit meinem Werdegang deutlich von meinen Kollegen. Anders als viele andere trage ich zum Beispiel keine Krawatte – das bekomme ich manchmal scherzhaft zu hören. Ich fühle mich aber sehr wohl in der Versicherungswelt. Schon vor meinem Einstieg bei der ERGO habe ich in dieser Branche gearbeitet und dabei auch schon die typische Versicherungssprache und die Arbeitsweise kennengelernt.

Welche Aufgaben haben Sie heute auf dem Schreibtisch? Und mit welchen Fragestellungen setzen Sie sich als Underwriter auseinander?
Vorhin bekam ich eine Anfrage von einem Privatkunden zu historischen japanischen Waffen auf den Tisch. Sie können sich denken: Das ist nicht gerade mein Spezialgebiet. Ich muss nun sorgfältig recherchieren, um den Wert dieser Kunstgegenstände ermitteln zu können – zum Beispiel in Preisdatenbanken im Internet oder in Bibliotheken, oder einen externen Gutachter hinzuziehen. Hier spielen auch Kriterien wie Künstler, Entstehungsjahr, Größe des Werks und eventuelle Vorschäden eine Rolle.

Neben der Kunst bewerte ich als Underwriter aber auch das Risiko. Wie geht der Kunde mit seinem Kunstwerk um?  Welche mechanischen oder elektronischen Sicherungen sind nötig, um es vor Diebstahl zu schützen? Anhand vergleichbarer Verkaufsergebnisse bestimme ich dann den Versicherungswert und unterbreite dem Kunden ein Angebot. Museen oder Galerien berate ich außerdem bei Fragen zu Transport, Verpackung und Restaurierung ihrer Kunstgegenstände.

Was hat Sie dazu gebracht, den Weg in die Versicherungsbranche einzuschlagen?
Ich finde es faszinierend, die Kunst selbst, aber auch den Kunstmarkt und seine Strukturen zu verstehen und zu wissen, wie die Akteure arbeiten. Letztlich ähnelt die Arbeit in der Versicherungsbranche dem Auktionsmarkt: Auch hier geht es darum, Kunst zu bewerten und Schätzwerte abzugeben. Diese Verbindung zwischen Kunst und Betriebswirtschaft ist einfach spannend.

ERGO hat seit jeher Kunst innerhalb der Transportabteilung versichert. 2014 hat sie die Abteilung Kunst- und Valorenversicherung eingeführt. Was war der Anlass dafür?
Kunst ist heute auf vielen Ebenen ein sehr lukratives Geschäft – der Markt boomt. Stellen Sie sich vor: 2015 wurde weltweit Kunst für fast 58 Milliarden Euro umgesetzt – fast dreimal so viel wie 2003. Das haben natürlich auch unsere Wettbewerber erkannt und entsprechende Produkte auf den Markt gebracht. Daher haben wir uns noch weiter spezialisiert. Hinzu kommt das Cross-Selling-Potenzial: Wenn Kunstsammler ihre Werke bei uns versichern lassen – warum sollten sie dann nicht auch bei Geldanlage oder Vorsorge auf ERGO Produkte zurückgreifen? Noch dazu hat ERGO selbst eine lange Kunsttradition und einen großen Sammlungsbestand an allen deutschen Standorten. Das Engagement für die Kunst gehört also traditionell zu den Werten des Unternehmens.

Welche Kunst mögen Sie besonders?
Ich mag die Kunst der 60er-Jahre. Vor allem die Minimal Art, die daraus entstandene Konzeptkunst und deren Einfluss auf die Gegenwartskunst. Zum Beispiel Jorinde Voigt. Sie hat den Ansatz, anstelle von fertigen Kunstwerken eine Idee strukturell aufzuarbeiten und dabei gewohnte Zusammenhänge infrage zu stellen.

Dann sind Sie ja in Düsseldorf genau richtig, um Kunst zu sehen und zu entdecken?
Ja, Düsseldorf hat an Kunst und Kultur jede Menge zu bieten. Ich habe da noch viel nachzuholen, da ich erst ein Jahr hier lebe.

Von Elena Winter

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