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Wie lebt man eigentlich klimaneutral?


Interview mit dem Unternehmer Dirk Gratzel

Einsatz & Engagement, 19.12.2018

Klimaschutz ist ein wichtiges Anliegen für ERGO – im eigenen Haus und im gesellschaftlichen Engagement. Auch Mitarbeiter wollen wir für den Klimaschutz sensibilisieren, denn jeder Beitrag zählt. Zuletzt begeisterte der Unternehmer Dirk Gratzel mit seinem Vortrag „Klimaneutral leben ein Erfahrungsbericht“ die Zuhörer bei ERGO in Düsseldorf. Er hat sich ein hehres Ziel gesetzt: ein klimaneutrales Leben.  

Dirk Gratzel lebt klimaneutral

Klimaneutralität ist ein aktuelles politisches und gesellschaftliches Ziel. Das gilt besonders für Unternehmen. Sie haben für sich entschieden, möglichst klimaneutral zu leben. Was bedeutet das?

Gratzel: Ich habe mich dazu entschlossen, keine ökologischen Schulden zu hinterlassen nach meinem Tod. Dazu habe ich mit Wissenschaftlern der TU Berlin ein Projekt gestartet. Ich habe meine bisherige Lebensökobilanz ermittelt und überprüft: Ich habe mehrere Monate gebraucht, um meinen materiellen Besitz, meinen Energieverbrauch, meine Mobilität, meinen Konsum, mein Freizeitverhalten und nicht zuletzt meine Ernährung zu dokumentieren, auch rückblickend auf meine fünfzig Lebensjahre. Vieles konnte ich folglich nur schätzen.

Das stelle ich mir ziemlich aufwändig vor, für eine Bilanz benötigen Sie ja Zahlen.

Das stimmt. Ich habe tatsächlich alles gezählt, was ich besitze: jedes Kleidungsstück, jedes Küchenutensil, jedes Sportgerät. Meinen ganzen materiellen Besitz. Ich würde es nicht zur Nachahmung empfehlen …

Und welche Bilanz haben Sie gezogen, welche Ökobilanz?

Dass ich mein Leben anders leben muss. Ich habe viel zu viel Energie verbraucht und folglich zu viel CO2 emittiert, nämlich so viel wie dreißig riesengroße Güterwaggons voller Trockeneis. Wenn Sie das nächste Mal an einer Schranke stehen und einen Güterzug passieren lassen, zählen Sie doch mal dreißig Waggons. Das übersteigt fast unsere Vorstellungskraft. Durch meinen Lebensstil habe ich etwa 1.700 kg Phosphat in die Gewässer geleitet, durch Waschmittel, Kosmetika, Putzmittel. Ich habe durch mein Verhalten die Luft mit rund fünf Tonnen Schwefeldioxid verschmutzt und die Ozonbildung beschleunigt.

Und was sagten die Wissenschaftler zu dieser Bilanz?

Dass ich mich ganz schön anstrengen muss, um bis zu meinem Tod klimaneutral zu sein. Das wird nicht einfach. Wir haben gemeinsam 65 Maßnahmen zusammengestellt, an die ich mich halte. Ich habe dadurch mein bisheriges Leben, also das Leben, das zu der Ökobilanz führte, nahezu komplett umgestellt.

Umstellungen sind Veränderungen, die uns Menschen häufig schwerfallen. Das weiß jeder, der gegen den inneren Schweinehund ankämpfen muss, wenn er beispielsweise nach vielen Jahren wieder mit Sport anfängt. Was genau haben Sie umgestellt?

So ziemlich alles. Ich ernähre mich vegetarisch bis vegan, ich fahre kaum noch mit dem Auto, ich nutze das Fahrrad, reise mit der Bahn, fliege nicht mehr, konsumiere wenig bis gar nicht. Mein Haus ist energetisch saniert, und was ich noch verbrauche, stammt aus nachhaltiger, biologisch einwandfreier Produktion.

Das sind große oder fast radikale Umstellungen. Fällt Ihnen das nicht schwer?

Inzwischen nicht mehr. Es brauchte seine Zeit, ohne Frage, wie beim Sporttraining, das Sie eben erwähnten. Sie laufen auch nicht gleich zehn Kilometer am Stück. Inzwischen bin ich gut im Training, besonders mit Blick auf die fleischlose Ernährung.

Und bei der Mobilität? Sie nutzen kein Flugzeug mehr.

Ich brauche länger, um einen Ort zu erreichen, egal ob privat oder geschäftlich. Das weiß ich jetzt ja und habe neue Qualitäten an dieser Art zu reisen entdeckt, und schätze sie. Flugreisen und hier besonders Geschäftsreisen bedeuten in der Regel Stress, Wartezeit und konzentrierte Hektik. In der Bahn kann ich hingegen arbeiten und lesen oder einfach nur mal ausruhen. Ich bin auch – der Deutschen Bahn sei Dank – viel gelassener geworden, was Verspätungen oder andere Überraschungen betrifft. Das war auch ein Lernprozess. Eben Veränderung. Ich sehe das positiv, weil ich mich ja bewusst entschieden habe.

Sie sind auch Unternehmer und haben Mitarbeiter. Sind die auch nur noch mit dem Zug unterwegs?

Ich habe die Entscheidung für diesen Lebensstil nur für mich persönlich getroffen, ich schreibe diesen Lebensstil niemandem vor und missioniere nicht. Weder meiner Familie noch meinen Mitarbeitern. Aber ich stelle fest, dass bei manchen auch ein Umdenken stattfindet.

Viele wissen gar nicht, wie klimaschädlich bestimmte alltägliche Lebensmittel sind. In der Diskussion mit unseren Kollegen erwähnten Sie den Parmesankäse.

Die Herstellung, Lagerung in Kühlhäusern und der Transport von Parmesankäse verursacht extrem viel CO2, ein großer Posten in der persönlichen Klimabilanz. Probieren Sie doch spaßeshalber mal eine rein pflanzliche Alternative aus Cashewnüssen, Haferflocken, Salz und Knoblauch – vielleicht werden Sie sich wundern.

Zur Person

Dr. Dirk Gratzel ist verheiratet und hat fünf erwachsene Kinder. Der Rechtsanwalt ist Geschäftsführer eines Unternehmens für Künstliche Intelligenz.

Von Monika Stobrawe

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