Schäden durch Starkregen nehmen zu


Magazine, 13.07.2021

Immer häufiger erleiden Immobilienbesitzer finanzielle Schäden durch Starkregen, Überschwemmungen und andere Naturereignisse – so wie gerade aktuell in weiten Teilen Deutschlands. Trotzdem sind noch viele Immobilienbesitzer nicht ausreichend geschützt. Deshalb sollten Versicherungswirtschaft und Politik noch stärker daran arbeiten, das Ausmaß der Bedrohung und die Absicherungsmöglichkeiten zu verdeutlichen, schreibt Mathias Scheuber, Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung AG.

Schäden nach Starkregen

Wenn es um Naturgefahren geht, fühlen sich die Bundesbürger ziemlich sicher. Nur sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland schätzt die Gefahr einer Überschwemmung als sehr groß ein, ergab eine GDV-Umfrage im Jahr 2020. Doch die Statistik zeichnet ein anderes Bild: Seit 1970 steigt die Zahl der Elementarereignisse in Deutschland. Starkregenfälle, Sturm und Hagel verursachten 2020 Schäden in Höhe von rund 2 Milliarden Euro in der Sachversicherung. Auch fernab von Flüssen und Seen hieß es „Land unter“, weil die Kanalisation den plötzlichen Starkregen nicht fassen konnte. Im März 2019 bringen die beiden Sturmtiefs „Dragi“ und „Eberhard“ schwere Sturmböen mit Hagel, Gewitter und Starkregen mit sich. Dabei verursachten sie in zwei Tagen Sachschäden in Höhe von 500 Millionen Euro. Welchen Schaden Starkregen anrichtet hängt dabei sowohl mit der Regenintensität, als auch mit dem Gebäudestandort zusammen.  

Lediglich 46 Prozent der Hausbesitzer besitzen eine Elementarschadenversicherung

Eine Vollkaskoversicherung für den Pkw ist oft selbstverständlich, aber die eigene Immobilie versichern die wenigsten gegen Schäden durch Extremwetter. Und das obwohl der Wert der Immobilie um einiges höher ist und ein Schaden im schlimmsten Fall sogar existenzbedrohend sein kann. Eine Immobilie gegen Extremwetter zu versichern, kostet im Jahr etwa das gleiche, wie eine Vollkaskoversicherung für den Pkw. Ein Haus zu sanieren oder gar neu zu bauen kostet dagegen Hunderttausende von Euro. Trotzdem fehlt knapp zehn Millionen Hausbesitzern der Schutz vor Elementargefahren, wie Starkregen oder Hochwasser. Angesichts der bundesweiten Zunahme von Starkregen-Ereignissen gehen Hausbesitzer damit ein hohes Risiko ein. Eine Naturgefahrenversicherung zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung wird von den Versicherern als optionaler Zusatzschutz für die Immobilie angeboten. Es empfiehlt sich den bestehenden Versicherungsschutz zu überprüfen, da Naturgefahren nicht immer automatisch mitversichert sind. 

Risikobewertung 

Jede Region in Deutschland ist gleichermaßen von Starkregen betroffen, jedoch macht es einen Unterschied, auf welchen Gebäudestandort der Regen fällt. Oft sind es dabei nur wenige Höhenzentimeter, die den Unterschied zwischen einer totalen Zerstörung und kleineren Schäden ausmachen. In Tälern, Senken und der Nähe kleinerer Gewässer besteht die höchste Gefahr von großen Schäden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat drei Starkregengefährdungsklassen entwickelt, damit können alle Gebäude in Deutschland entsprechend ihrer Gefährdungssituation eingeordnet werden. Besonders die topografische Lage des Gebäudes spiegelt sich in den Starkregengefährdungsklassen (SGK) wieder. Deutschlandweit liegen knapp zwölf Prozent aller Gebäude in der SGK 3, der höchsten Gefährdungsstufe. Ein erweiterter Schutz für die eigene Immobilie empfiehlt sich aber für jeden Immobilienbesitzer. Denn eine Einstufung in eine geringe Gefährdungsklasse heißt nicht, dass kein Starkregenrisiko besteht. Angesichts der bundesweiten Zunahme von Starkregen-Ereignissen gehen Hausbesitzer damit ein hohes Risiko ein.  

Bundesweite Initiative „Stadt.Land.unter“

Was ist zu tun? An erster Stelle steht die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes mit mehr Überflutungsflächen, sicheren Deichen und einer Anpassung der Kanalisation. Und dies grenzüberschreitend in ganz Europa. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit gegen die weitere Erwärmung der Atmosphäre vorzugehen. An zweiter Stelle steht die Sensibilisierung der Bevölkerung für die wachsende Gefahr. Die Versicherungswirtschaft kann hier den Hochwasserpass als wirkungsvolles Beratungsinstrument einsetzen. Um die Wichtigkeit der Absicherung gegen Naturgefahren zu verdeutlichen und die Bevölkerung auf diese Risiken aufmerksam zu machen, hat der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die bundesweite Initiative „Stadt.Land.unter“ etabliert. Sie konzentriert sich auf das Thema Starkregen. 

Mehrere Bundesländer informieren die Bevölkerung mit gezielten Elementarschadenkampagnen, um auf die Bedrohung durch Naturgefahren aufmerksam zu machen. Der Freistaat Bayern ging dabei noch einen Schritt weiter und beendete die Zahlung von Soforthilfen nach Naturkatastrophen. Die Notwendigkeit einer privaten Absicherung wird somit immer deutlicher. 

Wenn eine Landesregierung empfiehlt, sich gegen Elementarschäden abzusichern, sollten Immobilienbesitzer die Hinweise ernst nehmen. Das erspart ihnen eine teure Enttäuschung. Angesichts des Angebots an bezahlbarem Versicherungsschutz sollte sich kein Hausbesitzer darauf verlassen, nach einem Elementarschaden Hilfe von der öffentlichen Hand zu erhalten.

Von Mathias Scheuber, Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung AG

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