Kurator Franz Krebber: Mit beiden Beinen in der Farbe
ERGO hat eine lange Kunsttradition und über alle deutschen Standorte hinweg einen Sammlungsbestand von ungefähr 3.500 Kunstwerken. Dazu gehören Werke von berühmten Malern wie Franz Ackermann, Gerhard Richter, Günther Uecker und Heinz Mack. Franz Krebber (53) ist zuständig für die Verwaltung des ERGO Kunstbestands.
„Mein erstes eigenes Original war ein Heinz Mack – der war damals mein Lieblingsmaler", sagt Franz Krebber und betrachtet dabei ein gerahmtes schwarz-weißes Bild von Mack aus seinem Geburtsjahr im weißen Passepartout, das über seinem Schreibtisch in der ERGO Hauptverwaltung in Düsseldorf hängt. Heute kann er sich vor allem für junge, experimentierfreudige Künstler begeistern.
Der 53-jährige Krebber ist zuständig für die Verwaltung des ERGO Kunstbestands – dabei ist er nicht etwa Kunsthistoriker, sondern gelernter Versicherungskaufmann. Bereits mit 16 Jahren hat er im Konzern angefangen, damals noch für die Victoria. Jahrelang arbeitete er im Bereich Betriebliche Altersvorsorge, bis er die Gelegenheit zu einem inhaltlichen Wechsel bekam.
Eine Inventur des Kunstbestands sollte damals, 1998, vorgenommen werden, zudem sollten die Werke gesichtet und „bereinigt" – also ausgemistet und auf Vordermann gebracht – werden. Ob er sich das zutrauen würde? „Und so kam es, dass ich plötzlich mit beiden Beinen in der Farbe stand", sagt er heute scherzhaft. Das Wissen dazu hat sich Krebber nach und nach angeeignet – zunächst teilte er sich das Büro noch mit einer Kunsthistorikerin, mit der er gemeinsame Recherche für das Victoria Kunstbuch vorantrieb. Mittlerweile ist er selbst ein Profi in Sachen Unternehmenskunst.
Großer Kunstbestand - von Richter bis Mack
ERGO hat eine lange Kunsttradition und über alle deutschen Standorte hinweg einen Sammlungsbestand von ungefähr 3.500 Kunstwerken. Dazu gehören Werke von berühmten Malern wie Franz Ackermann, Gerhard Richter, Günther Uecker und Heinz Mack. 1996 konnte ERGO den Künstler Sol LeWitt dafür gewinnen, eine Wandarbeit für das Foyer des Eingangsbereiches der Hauptverwaltung in Düsseldorf zu entwickeln. Es entstand eine farbintensive, 80 Meter lange Arbeit, die schon von weit außerhalb des Gebäudes sichtbar ist.
Ein Höhepunkt für Franz Krebber war die Gelegenheit, für den Neubau der ERGO an der Fischerstraße in Düsseldorf im Jahr 2010 neue Kunstwerke anschaffen zu dürfen. Eine einmalige Gelegenheit. „Mir war es wichtig, dass es eine geistige Verbindung zwischen dem Bestand und den neuen Bildern gibt", sagt Krebber. Gemeinsam mit einem künstlerischen Berater hat er deshalb akribisch nach Künstlern gesucht, deren Arbeiten beleuchtet und kritisch hinterfragt, ob sie wohl zum Unternehmen passen.
Junge Kunst für den Neubau
„Es war eine echte Herausforderung, geeignete Werke für den Neubau zu finden", sagt Krebber. Immerhin handelt es sich um sehr transparente Großraumbüros, die nach dem Open Space Prinzip gestaltet sind - es gibt also nur wenige Wände, die überhaupt für Kunst geeignet sind. Zudem müssen die Mitarbeiter unmittelbar mit der Kunst leben und arbeiten. Am Ende entschied man sich dafür, pro Etage nur jeweils einen Künstler zu präsentieren. Die Wahl fiel auf sechs Künstler: Arbeiten von Mark Francis, Markus Linnenbrink, Thomas Mass, Markus Weggenmann, Ekrem Yalcindag und Beat Zoderer ergänzen nun die ERGO Kunstsammlung.
Franz Krebber hat jeden Schritt von der Anlieferung über die Lagerung bis zur Aufhängung der Bilder betreut: „Vor allem die Befestigung und Sicherung der zum Teil sehr schweren Werke war eine Sache für sich", erinnert er sich. Der krönende Abschluss war schließlich das Kunstevent im Mai 2012, zu der alle sechs Künstler eingeladen waren – und alle sechs sind tatsächlich gekommen. „Auch für die Künstler war es etwas Besonderes, zu sehen, wie ihre Bilder von uns arrangiert wurden. Die Atmosphäre bei der Einweihungsfeier war phantastisch", schwärmt Krebber.
Unterstützung von kunstpädagogischen Projekten
Für die Mitarbeiter stellten die Künstler schließlich noch je ein kleines Kunstwerk in einer Auflage von 30 Stück zur Verfügung – die Bilder konnten zum kleinen Preis im Rahmen einer Kunstaktion von den Mitarbeitern gekauft werden. Der Erlös des Verkaufs ging zu gleichen Teilen an sieben Düsseldorfer Schulen. Dort wird das Geld nun für kunstpädagogische Projekte verwendet.
von Kristina Tewes, ERGO, 06.08.2012
Artikel in der Rheinischen Post (04.08.2012):
ERGO versichert sich der Künste
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